Ev. - Luth. Gemeinde  "Zum Heiligen Kreuz"

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Auf ein Wort

„Darin   ist   erschienen   die   Liebe   Gottes   unter   uns,   dass   Gott   seinen   eingeborenen   Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.“ (1. Joh. 4,9) Bis   heute   weiß   man   nicht   so   genau,   was   elektrischer   Strom   ist.   Wir   können   erklären,   wie   er erzeugt   wird   und   wozu   man   ihn   einsetzen   kann. Aber   man   kann   ihn   weder   sehen   noch   genau beschreiben, was ihn ausmacht.   Versuchen   wir   einmal,   das   Rad   der   Geschichte   um   etwa   130   Jahre   zurückzudrehen.   Damals wusste   man   elektrischen   Strom   noch   nicht   zu   nutzen.   Ganz   abgesehen   davon,   dass   es   die     vielen   elektrischen   Geräte,   die   unser   Leben   erleichtern   und   ohne   die   wir   nicht   mehr   leben wollten,   nicht   gab:   Computer,   Kühlschrank,   Herd,   Waschmaschine,   Bügeleisen,   Elektrofahr- zeuge   und   vieles   andere   mehr.   Die   industrielle   Revolution   wäre   ohne   die   Entdeckung   des elektrischen Stromes nicht vorstellbar. Wir   sehen   den   Strom   nicht,   aber   wir   wissen,   dass   er   da   ist.   Und   dass   er   lebenswichtig   für   uns ist, zumal, wenn er in medizinischen Bereichen eingesetzt wird. Beim   Benutzen   des   Stromes   müssen   wir   einige   Gesetzmäßigkeiten   beachten.   Wenn   ich   eine Lampe   neben   eine   Steckdose   stelle,   nützt   sie   mir   noch   nichts.   Erst   wenn   ich   den   Stecker   in   die Steckdose   stecke   und   den   Schalter   betätige,   fließt   der   Strom   und   die   Lampe   leuchtet.   Dann weiß   ich   auch,   dass   der   Strom,   den   ich   vorher   nur   vermutete,   da   ist.   Die   Glühbirne   ist   der sichtbare Beweis, dass Strom fließt, der uns gut tut. Vielleicht   fragen   Sie   sich   jetzt:   „Wie   kann   man   etwas   so   Profanes   wie   elektrischen   Strom   mit der   Liebe   Gottes   vergleichen?!“   Und   ich   müsste   Ihnen   recht   geben,   denn      die   Liebe   Gottes   ist unvergleichlich.   Sie   ist   unfassbar   und   entzieht   sich   unseren   Definitionsversuchen.   Gerade darin   besteht   unsere   Schwierigkeit,   dass   wir   versuchen   müssen,   etwas   mit   menschlichen Möglichkeiten zu verstehen, was göttlich ist und unsere Vorstellungen bei Weitem übertrifft. Die    Lampe    scheint    nur,    wenn    Strom    fließt.    Der    Apostel    Johannes    schreibt:    „Darin    ist erschienen   die   Liebe   Gottes   unter   uns,   dass   Gott   seinen   eingeborenen   Sohn   gesandt   hat   in die   Welt,   damit   wir   durch   ihn   leben   sollen.“   Gottes   Liebe   ist   erschienen,   sie   ist   in   seinem   Sohn Jesus   Christus   sichtbar   geworden.   Mit   der   Liebe   Gottes   verhält   es   sich   also   ähnlich   wie   mit dem   elektrischen   Strom:   Wir   sehen   sie   nicht,   können   sie   nicht   anfassen   und   speichern,   aber wir   erfahren   seine   Liebe,   weil   sie   uns   in   Jesus   Christus   leuchtet.      Wir   wissen,   wie   gut   sie   uns und   anderen   tut.   Niemand   hat   Gott   jemals   gesehen,   sagt   der   Apostel   Johannes,   aber   wir erkennen   ihn   daran,   dass   er   seinen   Sohn   Mensch   hat   werden   lassen   und   dieser   für   unsere Sünden ans Kreuz ging. Für   die   Art   der   Liebe,   von   der   Johannes   spricht,   nämlich   der   „Agape“,   gibt   es   in   einem Wörterbuch    eine    gute    Erklärung.    Zwei   Aspekte    sind    dabei    wichtig.   Agape    ist    einmal    „die freundliche   Hinwendung   zu   jemandem   um   dessen   selbst   willen“.   Zum   anderen   ist   die   Agape die    Liebe,    „die    dem    Geliebten    eine    Vorzugsstellung    im    Rahmen    einer    festen    Bindung einräumt.“   Seit   unserer   heiligen   Taufe   trifft   beides   auf   uns   zu:   Gott   hat   sich   uns   um   unserer selbst   willen   freundlich   zugewandt   und   räumt   uns   eine   Vorzugsstellung   ein.   Der   Rahmen   ist   die feste   Verbindung,   die   er   zwischen   uns   durch   die   heilige   Taufe   hergestellt   hat.   So   scheint   seine Liebe uns und leuchtet uns freundlich entgegen. So leben wir durch ihn. Ihr Edmund Hohls