Ev. - Luth.  Gemeinde  "Zum Heiligen Kreuz"

Nassauische Str. 17   10717 Berlin   

Auf ein Wort

Durch   die   herzliche   Barmherzigkeit   unseres   Gottes   wird   uns   besuchen   das   aufgehende Licht   aus   der   Höhe,   auf   dass   es   erscheine   denen,   die   sitzen   in   Finsternis   und   Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. (Lukas 1,78f.) Es   gibt   wohl   kaum   einen   Menschen,   der   nicht   gerne   Besuch   empfängt   oder   selber   Besuche macht.   Freunde   aufsuchen,   Zeit   mit   ihnen   verbringen,   auch   einmal   über   Persönliches   reden können,   das   alles   gehört   zu   den   grundsätzlichen   menschlichen   Bedürfnissen.   Geben   und Nehmen,   sich   austauschen   und   mitteilen,   sich   gegenseitig   begleiten   und   stärken,   das   sind Aspekte,   die   bei   einem   Besuch   bei   Freunden   wichtig   sind.   Und   meistens   nehmen   wir   ein kleines   Gastgeschenk   mit,   als   Zeichen   der   Wertschätzung   derjenigen,   die   wir   besuchen.   Damit sagen wir: Danke, dass es euch gibt! Besuche     sind     dennoch     zeitlich     begrenzt.     Wer     klug     ist,     achtet     darauf,     dass     er     die Gastfreundschaft   seines   Gastgebers   nicht   überbeansprucht,   sondern   sich   rechtzeitig   wieder auf   den   Heimweg   macht.   Es   ist   also   gut,   wenn   wir   die   Stunde   nicht   verpassen,   in   der   es heißen muss: „Es war schön bei euch, aber jetzt ist es Zeit, nach Hause zu gehen.“ Der   Monatsspruch   für   Dezember   erzählt   auch   von   einem   Besucher.   Allerdings   von   einem Besucher   ganz   anderer   Art,   der   sich   in   vielem   von   dem   unterscheidet,   was   wir   bei   Besuchen untereinander kennen und praktizieren. Dieser Besucher ist gekommen, um zu bleiben. Zacharias   sang   dieses   Lied   nach   der   Geburt   seines   Sohnes   Johannes,   der   später   „der   Täufer“ genannt   wurde.   Dennoch   geht   es   in   diesem   Hymnus   nur   am   Rande   um   seinen   eigenen   Sohn Johannes,   weil   Zacharias   in   der   Kraft   des   Heiligen   Geistes   auf   den   viel   größeren,   auf   den Sohn   Gottes,   hinweist,   der   aus   der   Höhe   kommen   wird,   sein   Volk   zu   erlösen.   Er   drückt   es   so aus:   „Er   erscheint   denen,   die   in   Finsternis   und   Schatten   des   Todes   sitzen,   und   richtet   unsere Füße   auf   den   Weg   des   Friedens.“   Dieser   Retter   wird   als   eine   „Macht   des   Heiles   aus   dem Hause   Davids”   eingeführt.   Durch   diese   Erdung   an   das   Haus   David   erfahren   wir,   dass   Gott   als Mensch, als Nachkomme des Königs David, zu seinem Volk kommt. Es   gehört   für   viele   Menschen   bis   heute   zu   einer   der   größten   Enttäuschungen,   dass   Jesus   nicht zur     Waffe     gegriffen     hat.    Als     Kirche     gehört     unsere     Stimme     den     Unterdrückten     und Ausgebeuteten,   den   Menschen,   die   Unrecht   erleiden   und   sich   kaum   dagegen   wehren   können. Aber   nicht,   weil   dadurch   das   messianische   Friedensreich   entstehen   könnte,   sondern   weil   das Friedensreich   Gottes   in   Jesus   Christus   da   ist,   deshalb   sollen   wir   reden   und   bezeugen,   dass Christus   die   Herzen   der   Menschen   verändert   und   neu   macht,   denn   Jesus   kämpft   nicht   gegen Fleisch   und   Blut,   auch   nicht   gegen   fremde   Mächte.   Sein   Kampf   richtet   sich   nicht   gegen   irgend einen Menschen, sondern für jeden Menschen gegen den „altbösen Feind“. Es   mag   ja   sein,   dass   auch   wir   es   bei   unseren   Besuchen   verstehen,   ein   Stück   weit   mitzugehen, wenn   uns   ein   Freund   von   sich   erzählt,   von   Schmerzen,   von   Schwerem,   das   er   durchmacht. Und dennoch sind unserem menschlichen Mittragen deutliche Grenzen gesetzt. Gottes   Besuch   bei   uns   in   Christus   sind   keine   Grenzen   gesetzt.   Wo   Christus   ist,   da   kann   der Tod   sich   nicht   halten,   da   werden   Menschen   neu   und   haben   Teil   am   ewigen   Leben.   Er   kommt also   nicht   nur   zum   Kaffeetrinken,   sondern   er   kommt,   um   bei   uns   zu   bleiben.   Das   feiern   wir   zu Weihnachten.       Ihr Edmund Hohls