Ev. - Luth.  Gemeinde "Zum Heiligen Kreuz"

Nassauische Str. 17   10717 Berlin   

Auf ein Wort

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen. (Ps. 130,6)   Liebe Gemeinde,   Weihnachten   hat   schon   immer   mit   Warten   zu   tun gehabt.    Das    sehen    und    erleben    wir    besonders intensiv   an   und   mit   unseren   Kindern.   Je   kleiner   die Kinder,     desto     größer     die     Spannung     und     die Vorfreude   auf   das   Weihnachtsfest.   Warten   können ist eine Tugend, die geübt und gelebt werden will. Wenn   Wächter   auf   den   Morgen,   also   auf   die   Stunde warten,    in    der    die    Dunkelheit    dem    Sonnenlicht weicht,   dann   tun   sie   das   in   dem   Wissen,   dass   der Morgen   ganz   bestimmt   kommt.   Weder   können   sie die   Ankunft   des   Tageslichtes   beschleunigen,   noch können sie den Anbruch des Morgens aufhalten. Zur vom   Schöpfer   der   Welt   festgesetzten   Zeit   ist   der Morgen da.   Der   Mensch,   der   den   130.   Psalm   betete,   erzählt   und bekennt   darin,   dass   seine   Seele,   also   er   selbst,   auf den   Herrn   wartet.   Allerdings   dreht   er   dabei   nicht   die Daumen,    um    die    Zeit    totzuschlagen,    sondern    er wartet     in     der     Gewissheit,     dass     der     Herr     zur festgesetzten   Stunde   kommen   wird.   Die Adventszeit lehrt    uns    auch    das    geduldige    Warten    auf    das Kommen    des    Herrn,    obwohl    wir    zu    Weihnachten sein Kommen vor über 2.000 Jahren feiern.   Der   Beter   wartete   auf   den   Herrn,   von   dem   er   sich eine    Wende    seiner    Situation    erhoffte.    Er    wartete sehnsüchtig    darauf,    dass    etwas    Gutes    geschieht, etwas,   das   die   Nacht   vertreibt.   Was   mag   für   ihn   eine Nacht,    eine    Dunkelheit    gewesen    sein?    Hatte    er Probleme,   die   ihm   zu   groß   wurden?   Litt   er   an   einer Krankheit,   etwa   einer   Depression,   die   ihn   in   Dunkel hüllte   und   das   Licht,   die   Hoffnung   und   die   Freude am    Leben    nicht    mehr    sehen    ließ?    Es    gibt    ein fruchtbringendes    und    gespanntes    Warten    und    es gibt   ein   Zeit   verschwendendes   Warten.   Nutzloses Warten zermürbt.  
Und   bringt   nichts.   Der   Beter   des   130.   Psalmes   wartet in   der   Gewissheit,   dass   sein   Herr   kommen   wird.   Über den   Zeitpunkt   der   Antwort   seines   Gebetes   lässt   der Beter   sich   überraschen,   aber   er   ist   sich   sicher:   Gott antwortet. Er weiß: sein Warten ist nicht vergeblich. Wie    wartest    Du?    Das    gespannte    Warten    in    der gewissen   Hoffnung,   dass   etwas   Gutes   kommen   wird, ist   das   richtige   Warten.   Besser   gesagt,   wir   warten darauf,    dass    Gott    uns    Gutes    schenkt.    Wobei    das Gute   nicht   immer   auf   den   ersten   Blick   das   von   uns erkennbar Gute sein muss.   Worauf   freust   Du   Dich   zu   Weihnachten   am   meisten? Auf   Kerzen,   gute   Stimmung,   auf   Geschenke?   Eine gute   Stimmung,   die   zu   Weihnachten   zwar   schön   ist, sagt   nichts   über   die   begründete   Erwartung   aus,   die wir als Christen haben.   In   der Adventszeit   warten   wir   auf   die Ankunft   unseres Herrn   in   der   Gewissheit,   dass   er   kommen   wird,   zu richten   die   Lebendigen   und   die   Toten.   Sie   lädt   uns ein,    ihn    mit    offenem    Herzen    zu    empfangen.    Zu Weihnachten     feiern     wir,     dass     er     im     Stall     von Bethlehem   zu   uns   gekommen   ist   und   durch   seinen Heiligen     Geist     jeden     Tag     zu     uns     kommt.     Zu Weihnachten    hat    alles    Warten    auf    den    Herrn    ein Ende,    da    er    durch    die    heilige   Taufe    schon    längst seine Wohnung bei uns genommen hat.   So   übertrifft   der   Herr   unsere   stolzesten   Erwartungen an   das   Weihnachtsfest   bei   weitem.   Jedes   Jahr.   Egal, ob wir Erwachsene oder Kinder sind. Ihr Edmund Hohls