Ev. - Luth. Gemeinde  "Zum Heiligen Kreuz"

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Auf ein Wort

Es    ist    aber    der    Glaube    eine    feste    Zuversicht    dessen,    was    man    hofft,    und    ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebr. 11,1)   Definitionen   haben   es   meist   in   sich.   Sie   versuchen,   kurz   und   prägnant   zu   erklären,   wie   eine Sache   sich   verhält   oder   womit   wir   es   bei   einem   bestimmten   Phänomen   zu   tun   haben.   Dabei kommt    es    auf    die    Formulierung    der    Definition    an,    die    trotz    der    gebotenen    Kürze    nichts Wesentliches übersieht. Versucht   der   Apostel   Paulus   in   seinem   Brief   an   die   Hebräer   auch,   eine   Definition   zu   geben: „Der   Glaube   ist   eine   feste   Zuversicht“? Außerdem:   Ist   es   gut,   in   einer   Definition   mit   Negativen zu    arbeiten?    Der    Glaube    ist    ein    Nichtzweifeln    an    dem,    was    man    nicht    sieht?    Wird    eine doppelte Negation zu einer positiven Aussage, wie in der Mathematik? Kann    man    dem    Geheimnis    des    Glaubens    überhaupt    auf    die    Spur    kommen,    indem    man versucht,   den   Glauben   zu   definieren?   Muss   der   Glaube   sich   nicht   jedwedem   Versuch   einer Definition entziehen? Der Apostel   ist   weit   davon   entfernt,   den   Glauben   festlegen   zu   wollen.   Er   weiß   nur   zu   gut,   dass man   ihn   nicht   fassen   kann,   weil   er   immer   ein   Geschenk   Gottes   an   uns   Menschen   bleibt.   Aber er   schreibt   an   Gemeinden,   die   in   der   großen   Gefahr   stehen,   den   Glauben   zu   verlieren   oder   ihn in   einer   großen   Anfechtung   aufzugeben   und   als   nicht   relevant   oder   zielführend   abzulegen.   Er ist   besorgt,   dass   verfolgte   Christinnen   und   Christen   vom   Glauben   abfallen   und   Jesus   Christus verleugnen   könnten.   Er   möchte   ihnen   helfen,   am   Glauben   dranzubleiben,   und   in   einer   sehr schweren   Zeit   der   Verfolgung   Mut   machen,   die   feste   Zuversicht   nicht   aufzugeben,   dass   der Glaube daran, dass auch die Dinge, die uns noch verborgen sind, existieren.   Wenn   wir   den   Monatsspruch   für   Mai   als   einen   Versuch   auslegen   würden,   den   Glauben   zu fassen, hätten wir den Apostel, so meine ich, nicht richtig verstanden. Wie   ist   es   heute   mit   dem   Glauben   bestellt?   Wie   steht   es   eigentlich   mit   uns   selbst   und   unserem Glauben?   Dass   man   ihn   nicht   überprüfen   und   erst   recht   nicht   bewerten   kann,   ist   klar.   Die Sache   mit   dem   Glauben   ist   und   bleibt   ein   Geheimnis.   Nicht   zu   fassen   und   eigentlich   auch   nicht zu definieren. Der Glaube ist ein Geheimnis.   Wo   hat   der   Glaube   eigentlich   begonnen,   wie   wirkt   er?   In   der   heiligen   Taufe   hat   Gott   ihn   uns geschenkt.   Durch   den   Glauben   hält   er   uns   bei   sich,   wie   Dr.   Martin   Luther   es   unvergleichlich schön   umfassend   ausdrückt:   „Ich   glaube,   dass   der   Heilige   Geist   mich   durch   das   Evangelium berufen   hat,   mit   seinen   Gaben   erleuchtet,   im   rechten   einigen   Glauben   geheiligt   und   erhalten   ... gleichwie    er    die    ganze    Christenheit    auf    Erden    beruft,    sammelt,    erleuchtet    und    bei    Jesus Christus erhält im rechten einigen Glauben.“ Glaube   ist   also   nicht   etwas,   das   wir   können   müssen,   um   am   Evangelium   dranzubleiben   und die   gute   Nachricht   immer   wieder   neu   zu   hören.   Der   Heilige   Geist   schenkt   uns   den   Glauben, den   wir   brauchen.   Ich   meine   aber,   dass   er   ihn   nicht   unbedingt   auf   Vorrat   schenkt,   sodass   wir ihn   auf   Halde   legen   könnten;   er   gibt   immer   so   viel,   wie   wir   brauchen.   Das   ist   zumindest   meine Erfahrung. Wir   können   Glauben   nicht   definieren.   Wir   können   aber   erleben,   wie   der   Heilige   Geist   uns   im Glauben   erhält   und   was   er   uns   durch   ihn   sehen   und   erleben   lässt.   Das   tut   er   besonders   gern in der christlichen Gemeinde, wenn auch nicht nur da.                Ihr Edmund Hohls