Ev. - Luth. Gemeinde  "Zum Heiligen Kreuz"

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Auf ein Wort

„Sorgt   nicht   um   euer   Leben,   was   ihr   essen   und   trinken   werdet;   auch   nicht   um euren   Leib,   was   ihr   anziehen   werdet.   Ist   nicht   das   Leben   mehr   als   die   Nahrung und    der    Leib    mehr    als    die    Kleidung?    Und    warum    sorgt    ihr    euch    um    die Kleidung?   Schaut   die   Lilien   auf   dem   Feld   an,   wie   sie   wachsen:   Sie   arbeiten nicht,   auch   spinnen   sie   nicht.   Trachtet   zuerst   nach   dem   Reich   Gottes   und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (Matth. 6,25.28.33) Liebe Gemeinde, „Haben   Sie   dieses   Jahr   wieder   nicht   mehr   Geld   im   Portemonnaie?   Dann   sind   Sie keine    Ausnahme,    denn    seit    Jahren    sinken    die    Realeinkommen    der    deutschen Beschäftigten.   Michael   Sauga,   Wirtschaftsredakteur   beim   ‚Spiegel‘,   sagt,   warum   das so   ist   und   was   getan   werden   muss.“   So   heißt   es   in   einer   Buchrezension   seines Werkes: „Wer arbeitet, ist der Dumme.“ ( www.amazon.de/Wer-arbeitet-ist-Dumme ) Dumm   ist,   wer   arbeitet.   Treffen   Jesus   in   diesem   Teil   der   Bergpredigt   und   Sauga   in seinem Buch dieselbe Aussage? Sprechen sie überhaupt über dasselbe Thema? Gut,   dass   wir   ein   Sozialsystem   haben,   das   arbeitslose   Menschen   auffängt.   Aber dass   man   sich   gar   nicht   bemühen   soll,   Arbeit   zu   finden,   liegt   nicht   in   der   Absicht unseres    Sozialsystems.    Und    auch    Jesus    redet    nicht    dem    Nichtstun    das    Wort, sondern   lädt   uns   ein,   uns   auf   ihn   zu   verlassen.   „Der Arbeiter   ist   seiner   Speise   wert“ sagt    Jesus    zu    seinen    Jüngern,    als    er    sie    zum    –    sorglosen    –    Zeugendienst aussendet    (Matth.    10,10).    In    seinen    Briefen    mahnt    der    Apostel    Paulus,    dass Christen arbeiten und etwas Gutes schaffen sollen – zum Wohl der Gesellschaft. Dumm   ist   nicht,   wer   arbeitet.   Dumm   ist,   wer   sich   sorgt.   Wer   hat   nicht   genügend Sorgen?    Rentner    sorgen    sich    um    ihre    Rente,    wenn    wieder    mal    eine    Nullrunde verkündet   wird,   Jugendliche   sorgen   sich   um   ihre Ausbildung,   die   im   Beruf   stehenden Menschen   sorgen   sich   um   ihre   Arbeitsstelle.   Eltern   machen   sich   Sorgen   um   ihre Kinder,   um   ihre   geistige   und   geistliche   Entwicklung.   „Sorget   nicht.“   Ist   das   nicht   zu einfach gesagt? Gibt es nicht genügend Gründe, sich Sorgen zu machen? Das   Säen,   Ernten,   Spinnen   -   das   sind   Beispiele   aus   dem   harten   Alltagsleben   am Rande   des   Existenzminimums   der   Menschen   damals.      Die   positive   Aussage   des Sorgenverbots   ist:   Lasst   Euch   nicht   von   Euren   Sorgen   beherrschen,   habt   keine Angst.   Jesus   macht   den   Menschen   Mut,   sich   aus   ihren   existenziellen   Ängsten   zu befreien,   er   will   Glauben   wecken   und   Vertrauen   schenken.   Gegen   Resignation   und Mutlosigkeit   spricht   er   von   Gottes   fürsorglichem   Handeln.   Die   Lilien   dienen   nicht   als Vorbilder   fürs   Nichtstun,   sondern   als   Zeugen   göttlicher   Fürsorge.   Wenn   Gott   sich diesem   Teil   seiner   Schöpfung   so   annimmt,   um   wieviel   mehr   dann   wohl   seinem Ebenbild,   dem   Menschen.   „Trachtet   am   ersten   nach   dem   Reich   Gottes   und   seiner Gerechtigkeit.“ Wenn   ich   es   richtig   sehe,   sollen   wir   uns   also   nur   um   eine   Sache   bemühen.   Und keine   Sorge:   Das   Kommen   seines   Reiches   hängt   nicht   von   unserem   Einsatz   ab.     Unser   Sozialsystem   ist   möglicherweise   reformbedürftig.   Dass   Jesu   Zusage,   für   uns zu   sorgen   keiner   Korrektur   oder   Ergänzung   bedarf,   das   weiß   ich   allerdings.   Er   lädt uns   schließlich   ein:   Lasst   die   kleinen   und   großen   Sorgen   des   Alltags   meine   Sorge sein. Ihr Edmund Hohls

Foto: Evers