Ev. - Luth. Gemeinde "Zum Heiligen Kreuz"

Nassauische Str. 17 10717 Berlin T 030 / 873 18 05 M 0152 / 389 32 717

Auf ein Wort

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die

elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus

auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die

entschlafen sind. (1.Kor. 15,19-20)

Liebe Gemeindeglieder,

zu Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Und unsere eigene

Auferstehung gleich mit, denn schließlich wurden wir mit ihm begraben „durch die Taufe in

seinen Tod, damit wir mit ihm zu einem neuen Leben auferstehen.” (Röm. 6) Der Tod selbst

muss Ostern dran glauben: Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ist des Todes Tod.

In der korinthischen Gemeinde war die Auferstehung vor 2000 Jahren heiß umstritten.

Manche korinthische Gemeindeglieder hielten sich schon für so erlöst, dass es kein Halten

mehr für sie gab. Sie glaubten sich schon jetzt im Himmel und lehnten jede Verantwortung für

die Welt ab. Schließlich waren auch sie bereits mit Christus auferstanden. Der Geist war nach

ihrer Meinung alles, die Welt dagegen ein Dreck. „Auferstehung der Toten? Die brauchen wir

nicht,” sagten sie, „die haben wir schon.”

Diese geistlichen Überflieger versuchte der Apostel Paulus mit seinem Brief wieder auf den

Boden der Tatsachen zurückzuholen: Alles hat sich am Glauben, an der Hoffnung und an der

Liebe zu messen und zu bewähren. Christinnen und Christen haben eine Verantwortung in

dieser Welt; wir haben auch etwas auszuhalten, manchmal sogar zu kämpfen. Das Leben ist

kein Spaziergang. Wir leben noch nicht im Himmel, wir warten noch auf unsere Auferstehung,

sagt der Apostel Paulus ihnen in dieser Situation.

Der Tod und seine Macht sind nicht zu leugnen. Mit all seinen Vorzeichen erinnert er uns

daran, dass wir eines Tages sterben werden. Vorzeichen, die schon früh im Leben einsetzen,

nicht erst mit 80 oder 90, nicht erst dann, wenn wir pflegebedürftig werden, sondern schon

viel früher. Und dennoch dürfen wir mitten in diesem Leben bekennen: „Gott sei Dank, der

uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.” Diesen Sieg hat er uns persönlich in

der Heiligen Taufe zugeeignet. Seitdem haben wir ewiges Leben schon in dieser vom Tod

gezeichneten und dem Tod verfallenen Welt. Durch sie werden wir mit Jesus Christus zu

einem neuen Leben auferstehen.

Wir Christen wären nach des Apostels Einschätzung die bedauernswertesten unter den

Menschen, wenn es keine Auferstehung gäbe, nicht die Materialisten oder die Atheisten.

„Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten”, und deshalb sind wir nicht die

elendesten, sondern die glücklichsten Menschen auf der Welt, denn mit ihm haben wir eine

Zukunft, eine Zukunft, die allerdings schon jetzt begonnen hat.

Dieses Leben, es mag noch so schön sein und so viel zu bieten haben – und es bietet

unendlich viel – ist nicht das Ziel. Wir sind auf der Durchreise zu einem besseren Ziel hin.

Wir warten noch. Aber wir tun das nicht als Untätige, als geistliche Überflieger, sondern wir

tun das mitten in dieser Welt und auf ihrem Boden. Wir gehen unseren Berufen nach, wir

kommen unseren Aufgaben nach, wir gestalten diese Welt Gottes mit.

Zu Ostern feiern wir den Sieg unseres Herrn Jesus Christus. Und unsere eigene

Auferstehung, unser persönliches Osterfest, das feiern wir gleich mit. Nicht nur zu Ostern,

sondern an jedem Sonntag, wenn wir im Namen unseres auferstandenen Herrn

zusammenkommen.

Ihr Edmund Hohls

Foto: Evers