Ev. - Luth. Gemeinde "Zum Heiligen Kreuz"

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Auf ein Wort

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. (Gal. 4,4-5) Liebe Gemeinde, als Begründer der christlichen Zeitrechnung gilt der römische Mönch Dionysius Exiguus, der um 500 n. Chr. lebte. Er zählte nicht mehr die Jahre nach dem Regierungsantritt des römischen Kaisers, sondern die „anni ab incarnatione Domini“, die „Jahre nach der Menschwerdung des Herrn“. Mit dieser Zeitrechnung leben heute die meisten Menschen auf der Welt, obwohl es natürlich auch andere Zeitrechnungen gibt, etwa die jüdische, derzufolge wir jetzt das Jahr 5779 nach der Erschaffung der Menschheit zählen. Im Brief an die Galater erzählt der Apostel Paulus von einem ganz bestimmten Zeitpunkt, von einer Zeitenwende, die die Welt so sehr veränderte, dass nichts danach mehr so war, wie es vorher war. Als Gott seinen Sohn sandte, da begann die Zeitenwende: „Nach Christi Geburt“, so beschreiben wir den Zeitraum, „ab incarnatione Domini“, die Jahre nach der Menschwerdung Gottes. Liebe Gemeinde, wir feiern die Fülle der Zeit, die Sternstunde der Menschheit, denn Gott sandte seinen Sohn zu uns, um uns frei zu machen von der Erbsünde, von der grundlegenden Trennung von Gott. Er schenkte uns durch seinen Sohn ewiges Leben. Ein König sagte einmal zu seinem christlichen Diener: „Ich will Gott sehen!“ Der Diener antwortete: „Schau in die Sonne!“ „Soll ich blind werden?“ fragte der König empört. Der Diener antwortete: „Darum hat sich Gott in ein Kind verhüllt. Dort kannst du ihn sehen, ohne blind zu werden.“ Der König fragte weiter: „Was macht Gott?“ Der Diener antwortete: „Lass uns die Kleider tauschen, mein König.“ Nach anfänglichem Zögern gab der König nach. Welch ein Bild: Der König in Lumpen und der Diener in königlicher Amtstracht! „Das macht Gott.“ Antwortete der Diener. Der König stellte eine dritte Frage: „Warum tut Gott das?“ Der Diener überredete den König zu einer Bootsfahrt. Während der Fahrt warfen zwei Mitarbeiter eine Puppe, die in den Kleidern der Königstochter gekleidet war, über Bord. Ohne zu zögern sprang der König ins Wasser, um seine vermeintliche Tochter zu retten. Seine väterliche Liebe ließ ihn so handeln. Darauf antwortete der Diener: „Darum tat Gott das.“ Damit wir Gott begreifen und sehen, ohne Schaden zu nehmen, kam Gott in Jesus Christus als Kind in einer Krippe zur Welt. So werden wir nicht von seiner Größe geblendet. Gott weiß, dass wir ihm nichts bringen können, er schenkt uns, was wir zu einem neuen Leben brauchen: seine Kleider der Gerechtigkeit, und er nimmt uns unsere Kleider der Schuld und Sünde ab. Zudem springt er selber in das Meer des Todes, um uns vor dem ewigen Tod zu bewahren. Wir feiern seine Ankunft zu Advent und seine Menschwerdung zu Weihnachten. Gott verschenkt sich selbst zu Weihnachten und zeigt uns, was das ist: schenken ohne Hintergedanken. In der Nacht zu Bethlehem fing es an: Gott selbst schenkte sich in dieser Nacht, war Präsent, Geschenk, und ist heute noch weltweit präsent. In seinem Namen beschließen wir das alte, das vollendete Jahr 2019. Und in seinem Namen läuten wir aufs Neue die Zeitenwende ein. Ihr Edmund Hohls