Ev. - Luth.  Gemeinde "Zum Heiligen Kreuz"

Nassauische Str. 17   10717 Berlin   

Auf ein Wort

Und    siehe,    es    sind    Letzte,    die    werden    die    Ersten sein,   und   sind   Erste,   die   werden   die   Letzten   sein. (Lukas 13,30) Haben   Sie   auch   schon   solche   Erfahrungen   gemacht?   Da taucht   ein   Mensch   beim   Einchecken   am   Flughafen   auf, der   offenbar   keine   Lust   hat,   sich   -   wie   alle   anderen   - hinten   in   die   Reihe   zu   stellen.   Er   geht   ganz   nach   vorne und   verkürzt   seine   Wartezeit   damit   wesentlich.   Ein   paar Menschen,   die   schon   lange   ihre   Reihe   abwarten,   werden sein    Verhalten    auf    jeden    Fall    laut    beanstanden,    aber damit    kann    derjenige,    der    sich    vorgedrängelt    hat,    gut leben. Ist   das   nicht   eine   verkehrte   Welt,   die   Jesus   da   aufzeigt? Erste    werden    Letzte    sein    und    umgekehrt?    Unterstützt Jesus   damit   das   Ellenbogenverhalten?   Braucht   man   sich nicht   mehr   anzustrengen,   wenn   man   ohnehin   ganz   vorne in der Schlange stehen wird? Jesus   stellt   so   maches,   was   die   Menschen   damals   für richtig   hielten,   in   Frage   oder   kreidet   ihnen   ihr   Verhalten an. Wie   ist   das   heute   bei   Jesus?   Oder   anders   gefragt:   Wie ist   es   mit   Jesus   und   uns?   Stehen   wir   immer   an   erster Stelle,   wenn   es   um   den   Einsatz   für   ihn   geht?   Verlangt   er das von uns? Wir   dürfen   dieses   Wort   Jesu   nicht   aus   dem      Kontext reißen.   Er   meint   damit   nicht,   dass   diejenigen,   die   sich   für ihn     einsetzen,     immer     da     sind     und     ihren     Dienst zuverlässig   in   der   Gemeinde   tun,   auf   jeden   Fall   einmal ganz   Letzte   sein   wird.   So   sehr   ich   mir   es   auch   manchmal wünsche,   dass   jedes   Gemeindeglied   zuerst   da   ist   und sich   selbst   als   Erster   in   eine   Mitarbeiterliste   einträgt,   so wenig   geht   es   in   diesem   Text   im   eigentlichen   Sinne   um Einsatz   und   Dienstbeflissenheit,   so   gut   und   nötig   diese auch sind. Geht es um Rangfolge?
Die   Frage   ist   nur   im   Kontext   des   Textes   selber   zu   klären. Jemand   hatte   Jesus   gefragt:   „Herr,   meinst   du,   dass   nur wenige    selig    werden?“    Ist    das    eine    versteckte    Frage nach   der   Wahrscheinlichkeit   der   eigenen   Seligkeit?   Oder wollte   der   Fragesteller      Jesu   Bestätigung   hören,   dass   er auf   jeden   Fall   in   das   Himmelreich   kommt?   Ist   es   eine akademische    Frage    oder    eine    für    den    Fragesteller existentielle Frage? Jesus   tadelt   eine   Haltung   der   Menschen,   die   ihm   damals oft   begegnete,   eine   Haltung,   mit   der   Menschen   glaubten, man   könne   sich   auf   seine   Herkunft   berufen,   darauf,   dass man doch immer dabei gewesen ist. Jesus   Christus   stellt   auch   heute   viele Annahmen   auf   den Kopf    und    kehrt    sie    um:    Wer    glaubt,    aufgrund    seines eigenen   Tuns   ein   Recht   auf   die   Nähe   und   Zuwendung Gottes   zu   haben,   muss   umdenken.   Wer   dagegen   glaubt, kein   Recht   auf   Gottes   Nähe   zu   haben,   muss   genau   so umdenken   und   darf   sich   über   Gottes   Zuwendung   zu   ihm freuen,   die   darin   besteht,   dass   Jesus   diejenigen   gerecht macht,   die   an   ihn   glauben,   denn   im   Vertrauen   auf   Gottes Güte   müssen   wir   viele   Erkenntnisse   neu   gewinnen   und überprüfen. Jesus    widerspricht    nicht    denjenigen,    die    sich    in    der Gemeinde   einsetzen   und   in   der   Gesellschaft   für   viele   da sind.    Er    widerspricht    einer    Geisteshaltung,    die    damit rechnet, dass man vor Gott glänzen kann. Jesus   Christus   hat   uns   alle   zu   seinen   Verwandten,   zu Menschen   gemacht,   die   vorne   in   der   Schlange   stehen, wenn   es   um   unsere   Seligkeit   geht.   Nicht   weil   wir   es   wert sind,   sondern   weil   er   uns   wert   geachtet   hat,   bei   ihm   an erster   Stelle      zu   stehen.   Weil   er   sich   um   unsere   Seligkeit verdient gemacht hat.                                     Ihr Edmund Hohls