Ev. - Luth.  Gemeinde "Zum Heiligen Kreuz"

Nassauische Str. 17   10717 Berlin   

Auf ein Wort

Eure    Rede    sei    allezeit    freundlich    und    mit    Salz gewürzt,     dass     ihr     wisst,     wie     ihr     einem     jeden antworten sollt  (Kol. 4,6). Der   Apostel   Paulus   hatte   seinen   Brief   an   die   Gemeinde in   Kolossä   offensichtlich   während   einer   Gefangenschaft geschrieben,    nachdem    er    von    ihrer    Beharrlichkeit    im Glauben   gehört   hatte.   So   macht   er   ihnen   Mut,   dran   zu bleiben im Glauben.   Besonders      aufschlussreich      und      wichtig      für      das Verständnis   des   Monatsspruches   für   Mai   ist   das   vorige Kapitel.   Da   schrieb   er:   „Seid   ihr   mit   Christus   auferstan- den,    so    sucht,    was    droben    ist,    wo    Christus    ist.“    Wir haben   diese   Verse   in   der   Osternacht   als   Epistellesung gehört. Vor   dem   Hintergrund   dessen,   dass   er   seine   Gemeinde als     mit     Christus     auferstandene     Gläubige     anspricht, bekommt   die   Aufforderung   des   Apostels,   sie   möge   auf ihre   Rede   achten,   seinen   tiefen   Sinn.   Dabei   gibt   er   ihnen einen   entscheidenden   Tipp:   Eure   Rede,   Euer   Sprechen über   den   Glauben   sei   alle   Zeit   freundlich   und   mit   Salz gewürzt.   Was   kann   er   damit   meinen?   Ich   denke,   “freundlich   zu reden”   heißt   nicht   unbedingt,   Süßholz   zu   raspeln,   oder sich   abgehoben   und   künstlich   auszudrücken.   Vielmehr stelle   ich   mir   vor,   dass   er   meint,   wir   sollen   gewinnend über   das   Evangelium   reden,   seine   Botschaft   als   Kraft Gottes   aufzeigen   und   Menschen   einladen,   sich   darauf einzulassen.   Mangel   an   Einfühlsamkeit   dient   nicht   dem Evangelium,    genauso    wie    umgekehrt    gilt,    dass    die Einfühlsamkeit   von   Christen   bei   einem   Gespräch   über den    Glauben    Menschen    für    das    Evangelium    interes- sieren kann.
Und noch einen guten Tipp hat der Apostel: “Eure   Rede   sei   mit   Salz   gewürzt.”   Wenn   jemand   beim Kochen   das   Salz   vergisst,   schmeckt   das   Essen   fade. Verwendet    man    dagegen    zu    viel    Salz,    ist    das    Essen versalzen   und   nicht   mehr   genießbar.   Das   richtige   Maß an    Salz    allerdings    macht    Speisen    schmackhaft    und bekömmlich.    Es    gibt    natürlich    auch    unterschiedliche Geschmäcke:    was    dem    einen    schon    fast    zu    salzig vorkommt, kann dem anderen gerade recht sein. Nun   sagt   der   Apostel   nicht,   wie   viel   Salz   unser   Reden vertragen   kann.   Es   wird   also   darauf   ankommen,   dass   wir es     erspüren     und     vielleicht     mit     etwas     geringerer Dosierung   an   würziger   Rede   beginnen.   Was   dem   einen Hörer   ist,   kann   einem   anderen   aber   noch   zu   wenig   sein, weil   er   gern   mehr   oder   konkreter   hören   würde,   was   es mit dem Evangelium auf sich hat. Der   Apostel   gebraucht   ein   schönes   und   verständliches Bild.   Er   selber   hat   erfahren,   dass   Menschen   unterschied- lich   sind   und   deshalb   auch   differenziert   angesprochen werden wollen. Manchmal     frage     ich     mich,     wie     der    Apostel     seine Anweisungen    selber    umsetzen    würde,    wenn    er    heute lebte,   in   einer   völlig   anderen   Zeit   und   Welt   und   unter ganz    anderen    Lebensumständen?    Ich    bin    überzeugt, dass   er   sich   sehr   mühen   würde,   den   Juden   ein   Jude   und den   Griechen   ein   Grieche   zu   sein,   also   möglichst   viele Menschen    zu    erreichen,    ganz    so,    wie    er    es    damals      getan hat. Pfeffer    ist    übrigens    auch    ein    sehr    schönes    Gewürz. Allerdings   ruft   der   Apostel   nicht   zur   „gepfefferten   Rede,“ auf,   weil   Pfeffer   einem   durchaus   Tränen   in   die   Augen treiben   kann.   Er   wollte   aber   nicht   verblenden,   sondern gewinnen,     nicht     erschrecken,     sondern     trösten     und heilen.     Ich     denke,     der     Apostel     hat     sich     deutlich ausgedrückt.     .                       Ihr Edmund Hohls