Ev. - Luth. Gemeinde  "Zum Heiligen Kreuz"

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Auf ein Wort

Foto: Evers

Brich   dem   Hungrigen   dein   Brot,   und   die   im   Elend   ohne   Obdach   sind,   führe   ins Haus!    Wenn    du    einen    nackt    siehst,    so    kleide    ihn,    und    entzieh    dich    nicht deinem Fleisch und Blut! (Jes. 58,7) Der    ehemalige    anglikanische    Erzbischof    von    Südafrika    und    Friedensnobelpreis- träger,   Bischof   Desmond   Tutu,   sagte   vor   vielen   Jahren   im   Hinblick   auf   die   Situation in   seinem   Land:   „Wir   müssen   uns   vorsehen,   dass   die   Befreier   von   gestern   nicht   die Unterdrücker   von   morgen   werden.“   Wer   diesen   Satz   nicht   theologisch   einzuordnen wusste, musste seine Kritik persönlich auffassen. Können   Befreite   zu   Unterdrückern   werden?   Kann   es   sein,   dass   Menschen,   die   viel Unrecht   erlitten   haben,   anderen   Unrecht   zufügen?   Ja,   sagt   Bischof   Tutu,   denn   er weiß   um   die   Erbsünde   des   Menschen,   er   weiß,   dass   wir   das   Gute,   das   wir   tun sollen,   nicht   tun,   dafür   aber   das   Böse,   das   wir   nicht   tun   wollen,   trotzdem   tun.   Ja, sagt   auch   der   Prophet   Jesaja   zu   seinem   Volk   Israel.   Menschen,   die   selbst   versklavt waren,    können    ganz    schnell    zu    Sklavenhaltern    werden.    Unzählige    Beispiele menschlichen   Fehlverhaltens   ließen   sich   anführen. Auch   Dietrich   Bonhoeffer   wusste, dass der Tyrannenmord, er mag noch so gerechtfertigt sein, selber auch Sünde ist. Die   Israeliten   waren   gerade   aus   der   babylonischen   Gefangenschaft   heimgekehrt. Aus   Unterdrückten   waren   Unterdrücker   geworden.   Sie   wussten,   wie   schlimm   es   ist, ausgebeutet   zu   werden.   Sie   hatten   Unrecht   erlitten   und   taten   anderen   Unrecht   an. Sie nahmen es hin, dass es Menschen unter ihnen gab, die Hunger litten. Gott   klagt   sein   Volk   an.   Unerbittlich   und   ungeschönt.   Er   fordert   seinen   Propheten sogar   auf:   „Rufe   getrost,   halte   nicht   an   dich!   Erhebe   deine   Stimme   wie   eine   Posaune und    verkündige    meinem    Volk    seine   Abtrünnigkeit    und    dem    Hause    Jakob    seine Sünde.“   Da   wurde   gefastet,   dass   es   weh   tat,   und   es   wurde   gleichzeitig   gestritten, dass   es   krachte.   Da   wurden   Speisevorschriften   eingehalten,   aber   das   Gebot   der Nächstenliebe    mit    Füßen    getreten.    Sie    fasteten    und    trieben    gleichzeitig    ihre skrupellosen    Geschäfte,    beuteten    ihre    Mitarbeitenden    aus    und    schlugen    mit gottloser Faust drein. Glaube   und   Leben   klafften   extrem   auseinander:   Die   Einsicht   fehlte,   dass   die   Liebe zu   Gott   auch   die   Liebe   zum   Nächsten   einschließt,   ja   dass   sich   ihr   Fasten   darin   zu bewähren   hat,   wie   sie   mit   ihrem   Nächsten   umgehen.   Freilich,   wenn   wir   meinen, durch   Fasten   Gott   näherkommen   zu   können,   dann   ist   das   falsch. Aber,   wie   ist   es   mit Fasten,   damit   wir   hören,   dass   Gott   schon   längst   nah   bei   uns   ist?   Dann   könnte   eine Fastenpraxis   nicht   nur   aus   einem   Weniger   an   Genussmitteln,   sondern   vielmehr   aus einem   Mehr   an   Zuwendung   zum   Nächsten   bestehen.   Gerade   in   der Adventszeit,   die Bußzeit ist. Jerusalem:   Schauplatz   der   großen   Ungerechtigkeiten   im   Volk   Israel,   die   Gott   durch Jesaja   anprangern   ließ.   Jerusalem:   Schauplatz   des   Brotbrechens   Jesu   (nach   Luk. 22,9).   Dort   brach   er   nicht   nur   irdisches   Brot,   sondern   sein   Leib   wurde   zerbrochen. Jerusalem:   Schauplatz   der   unbedingten   Liebe   Jesu   Christi   zu   uns   Sünderinnen   und Sündern. Damit wir unser irdisches und himmlisches Brot teilen. Ihr Edmund Hohls